„Fräulein Else“ - rezitiert von Regina Neumann

Erstellt am 22.11.2018

Else T., Tochter eines Wiener Rechtsanwalts, befindet sich für einige Urlaubstage finanziert durch ihre Tante Emma im Trentiner Kurort San Martino di Castrozza. Nachdem sie das Tennisspiel beendet hat, bekommt sie einen Express-Brief von ihrer Mutter, in welchem die Bitte an sie herangetragen wird, den reichen Kunsthändler Dorsday um ein dringend benötigtes Darlehen zu bitten, da Elses Vater Mündelgelder veruntreut habe und kurz vor der Verhaftung stehe. Else geht auf Dorsday zu und schildert ihm die schwierige familiäre Lage. Dorsday willigt zwar ein, die notwendigen 30.000 Gulden zur Verfügung zu stellen, fordert aber als Gegenwert die Erlaubnis, Else nackt betrachten zu dürfen. Gefangen zwischen unbedingter Loyalität zu ihrem Vater und der starken Sehnsucht nach Autonomie und selbstbestimmter Weiblichkeit kann sie sich auf keine der Alternativen festlegen ...

Die von Regina Neumann verkörperte Else brachte das Geschehen mittels gespielter Gespräche und gesprochener Gedanken zum Ausdruck und verdeutlichte gestisch wie mimisch ihren tiefen inneren Zwiespalt zwischen Wahrung der Familienehre und Selbstbestimmung, Liebesbedürftigkeit und Emanzipationsstreben. Auch die Sprechanteile des Kunsthändlers Dorsday wurden von Regina Neumann übernommen und ihre Gedanken dazu geäußert. Im Anschluss an die szenische Lesung ergab sich bei einem Gläschen Wein noch ein angeregtes Gespräch zwischen Publikum, Moderator und Darstellerin über die 1924 veröffentlichte Novelle von Arthur Schnitzler.