Freiheit und Verantwortung im Islam

Erstellt am 07.11.2017

Freiheit und Verantwortung im Islam

Prof. Khorchide referierte zum dritten Mal im Jakobuszentrum, und es kamen außerordentlich viele Besucher zu seinem Vortrag. Vor dem politischen Hintergrund der Attentate und der Kriegswirren in Vorderasien waren natürlich alle gespannt zu hören, was ein Islamwissenschaftler zu sagen hat.
Er stellte uns zwei Lehransätze und damit zwei Gottesbilder vor. Einerseits den monologischen Lehransatz, der als Einbahnstraße zwischen Koran und Gläubigen zu sehen ist: Der Gläubige hat die Gebote zu befolgen und Gott anzubeten. Andererseits den dialogischen, der hinterfragt, historisch
deutet und das zum Glauben durchlässt, was individuell als Bereicherung empfunden werden kann. Damit tritt der Gläubige in den Dialog mit Gott. Nur im dialogischen Ansatz kann der Gläubige Verantwortung übernehmen, da er frei entscheiden kann. Diesen Ansatz lehrt Prof. Khorchide - eine humanistische Religion, die vor allem von Gottesbarmherzigkeit, Gottesliebe und Freiheit geprägt ist.
Im Anschluss an den Vortrag gab es eine rege Diskussion zu religionstheoretischen Fragen. Ein Teilnemer wollte wissen, welchen Einfluss Khorches Ansatz auf fundamentalistische, moslimische Gläubige habe: Keinen! Zwar ist er mit seinen Studenten in einem guten Gespräch, wird aber in die hiesigen Moscheen nicht mehr eingeladen, denn dort sei die Einflussnahme der muslimisch-konservativen Mächte aus dem Ausland zu groß.
Khorchide liest den Koran als ein Buch aus dem siebten Jahrhundert, dessen einzelne
Gebote nicht mehr wörtlich ins heutige Leben übertragen werden können. Er tritt für
eine historisch-kritische Koranexegese ein. Dennoch würden bei solch einer Auslegung
die Kernbotschaften des Propheten Mohammed erhalten bleiben.
Wer es anders lehrt, erhält wie Prof. Khorchide schon mal eine Morddrohung.